(Reporter7.com 18.07.2007) Zoo Nachwuchs Schlachtung Knut Erfurt
Pressemitteilung vom Mittwoch, 18. Juli 2007
Zootierschlachtung in Erfurt sicher kein Einzelfall
Viele Zoos verschweigen Nachwuchsverbleib
Nürtingen. Tierrechtler Frank Albrecht, der seit Jahren den Verbleib von Nachwuchs in deutschen Zoos recherchiert, hält den jüngsten Schlachtskandal im Erfurter Zoo für keinen Einzelfall.
Albrechts vermutet, dass in vielen deutschen Zoos überzähliger unvermittelbarer Nachwuchs, zuchtunfähige oder alte, so genannte, Zootiere getötet und anschließend verfüttert werden.
'Die Zoos sind voll. Es herrscht extremer Platzmangel. Es gibt immer weniger Zoos die Tiere untereinander tauschen oder neue Arten aufnehmen können. Zoos stehen nicht selten vor der Frage: Was mache ich mit meinem Nachwuchs?', so Albrechts Erfahrungen. 'Fragt man bei den Zoos nach, wohin der ein oder andere Nachwuchs dann verblieben ist, erhält man keine Auskunft. Das Schweigen werte ich ganz klar als Eingeständnis.'
So verschweigt z.B. der Hoyerswerdaer Zoo seit Jahren vehement, wo Raubkatzen- und Bärennachwuchs verblieben ist. Auch der Berliner Zoo, Geburtsort von Eisbär Knut, nennt keine Zoonamen, wenn es um den Verbleib von Bären-, Wolfs- und Flusspferdnachwuchs geht. Den Verbleib von Lippenbärennachwuchs aus dem Leipziger Zoo gilt es auch noch aufzuklären. Viel Nachwuchs verschwindet auch spurlos über den Tierhandel.
Der Nürtinger Tierrechtler fordert jetzt, angesichts des Erfurter Skandals, die Politik auf, für mehr Transparenz in den Zoos zu sorgen. So sollten Zoos endlich verpflichtet werden, ihre Geburtszahlen, Obduktionsberichte, Zoobestandsbücher und Zuchtbüchern offen zu legen. Nur so könne für einen tierschutzkonformen Umgang mit nichtmenschlichen Tieren garantiert werden. Diese Forderung wird von den Zoos jedoch vehement abgelehnt.
'Seit Jahren versuchen Zoos, die Tötung überzähliger nichtmenschlicher Tiere der Öffentlichkeit als einen 'natürlichen' Prozess zu verkaufen. Immer mehr Zoos veröffentlichen, bewusst, keine Jahresberichte mehr, in denen Geburten, Todesfälle und Abgaben veröffentlichen werden. Einsicht in die Bestandbücher wird gar nicht gewährt.', so der Zookenner abschließend. 'Viele Zoos erhalten Steuergelder in Millionenhöhe um ihre hohen Ausgaben zu decken. Der Steuerzahler hat also ganz klar ein Anrecht darauf, zu wissen, was aus dem niedlichen Zoonachwuchs und anderen Individuen wurde.'
'Eine Ethik, die nur mit unserem Verhältnis zu anderen Menschen zu tun hat, ist unvollständig'
Dr. Albert Schweizer
Nichtmenschliche Tiere, hier so genannte 'Zoo-Tiere', haben, wie wir Menschen auch, ein Interesse daran zu leben. Frei und selbst bestimmend. Daher haben sie, wie wir auch, dass Recht auf Leben. In Freiheit und Selbstbestimmung.
Frank Albrecht
(Tierrechtler/ Fachgebiete Zoo and Circus)