Die Ansprüche sind bei Sat.1 offenbar enorm gestiegen/ Neues Format für Nachrichten?
(Reporter7.com 17.07.2007) Bei der Hauptversammlung in München sprach Senderchef Guillaume de Posch davon, dass manche Sendungen bei Sat.1 den "Ansprüchen nicht genügten". Da hatte er schon Fakten geschaffen - und die Nachrichtensendung "Sat.1 am Mittag" abgesetzt. Die Medienanstalt Rheinland-Pfalz droht mit Konsequenzen.
Das Management von Sat.1 habe alle Sendungen auf Leistung und Rentabilität überprüft, sagte Posch auf der Hauptversammlung in München. Bei der Programmreform des Senders würden einige Formate ersetzt, 'die diesen Ansprüchen nicht genügen. Dies hat leider auch personelle Konsequenzen für die Mitarbeiter dieser Formate, die wir jedoch - und das ist mir wichtig - mit aller gebotenen Fairness behandeln.'
Während de Posch auf der Hauptversammlung der Sendergruppe ProSiebenSat.1 sprach, war schon zu beobachten, wie das reformierte Sat.1-Programm aussieht: Wiederholungen statt Nachrichten. Auf dem Sendeplatz, den sonst "Sat.1 am Mittag" einnahm, verhandelte am Dienstag "Richterin Barbara Salesch". Der Sender hatte eine Konserve ins Programm gehoben.
Und so hat de Posch nun einige Mitarbeiter übrig. Der stellvertretende Ver.di-Vorsitzende Frank Werneke sprach am Montag von 200 bis 300 gefährdeten Arbeitsplätzen und einem 'medienpolitischen Skandal'. Die 'Süddeutsche Zeitung' berichtete unter Berufung auf Branchenkreise von 180 Arbeitsplätzen, die bei Sat.1 bis 2009 wegfallen sollen. Demnach würden die Nachrichtensendungen 'Sat.1 am Mittag', 'Sat.1 am Abend' und 'Sat.1 News - Die Nacht' kurzfristig eingestellt werden.
In seiner Rede vor den Aktionären sagte de Posch, Sat.1 habe bei den Zuschaueranteilen im vergangenen Jahr einen ganzen Prozentpunkt eingebüßt. Der neue Senderchef, Matthias Alberti, habe ein Konzept entwickelt, um Sat.1 breiter zu positionieren und wieder mehr Zuschauernähe zu gewinnen.
Durch den Zusammenschluss habe man festgestellt, dass der Konzern an manchen Stellen effizienter aufgestellt sein könne, sagte de Posch auf der Hauptversammlung. Darum werde es einen gewissen Stellenabbau geben, erklärte der Konzernchef. 'Ich möchte an dieser Stelle anfügen, dass es sich um einen Übergangseffekt handeln wird', fügte er hinzu und betonte, diese Entscheidung sei nicht auf Druck der Eigentümer KKR oder Permira gefallen. Mittelfristig werde es in der ProSiebenSat.1-Gruppe wieder einen Aufbau von Stellen geben.
Die Finanzinvestoren KKR und Permira hatten im Juni ihren europäischen Fernsehkonzern SBS für 3,3 Milliarden an den Münchner ProSiebenSat.1-Konzern verkauft, an dem sie ebenfalls die Mehrheit halten. ProSiebenSat.1 hatte darauf Stellenstreichungen angekündigt.
Die rheinland-pfälzsiche Landesanstalt für Medien und Kommunikation (LMK) hat Sat.1 Konsequenzen angedroht, sollte der Fernsehsender seine Nachrichtensendungen einstellen. Die Privilegien, die Sat.1 als Vollprogramm bei der Einspeisung in die Kabelnetze genieße, könnten wegfallen, sagte LMK-Direktor Manfred Helmes. Es könne nicht sein, dass das Programm baden gehe, um die Renditeziele der Eigentümer zu erreichen.
Helmes sagte, nicht allein die öffentlich-rechtlichen Sender hätten bestimmte Aufgaben bei der medialen Versorgung der Bevölkerung: 'Auch private Sender sind zu einem Vollprogramm in abgespeckter Form verpflichtet.' Der LMK-Direktor warnte vor den Folgen eines wirtschaftlichen 'Schneeballsystems', bei dem Medienkonzerne sich gegenseitig aufkaufen und zerlegen würden. Dies würden die Medienwächter auf die Dauer nicht mitmachen: 'Und ich hoffe, dass die Politik es auch nicht mitmacht.'
Sat.1 wurde 1984 als erster deutscher Privatsender in Ludwigshafen gegründet. Aus diesem Grund ist die rheinland-pfälzische Landesmedienanstalt für die Medienaufsicht über den Sender verantwortlich, der seinen Sitz mittlerweile in Berlin hat.
Quelle: Die Welt (online)
(Berichtigung zu der Mitteilung "Bei Sat.1 gehen immer mehr Lichter aus:
Es gab heute keine Pressekonferenz sondern diese Hauptversammlung.)