| Kleinfeld mehrfach in Nordholz
Spitzenmanager nutzt den Zivilflughafen
(Reporter7.com 16.07.2007) Nordholz/München. Er spielt weltweit ganz oben mit in der Riege der Top-Manager: Klaus Kleinfeld (49) hat nach dem Korruptionsskandal bei Siemens als Vorstandschef Ende Juni das Handtuch geworfen. Jetzt jettet er um die Welt, um seinen neuen Job auszuloten. Und was wie ein Aprilscherz anmutet, ist keiner: Vergangene Woche hat Kleinfeld zwei Mal den Nordholzer Sea-Airport genutzt, um von dort aus mit einer VIP-Maschine aufzubrechen.
Vor ein paar Tagen traf er sich in London mit Henry Kissinger, dem Ex-US-Außenminister und Berater des Investment-Riesen 'Blackstone'. Kleinfeld habe aber noch keine endgültige Entscheidung über seinen neuen Job getroffen, heißt es in Medienberichten. Nach Angaben von Branchen-Insidern wolle er nicht von Deutschland oder London aus für den Finanzinvestor Blackstone arbeiten, sondern in die USA ziehen. Anderen Berichten zufolge spreche er auch mit weiteren Unternehmen, die an ihn herangetreten seien.
Am vergangenen Mittwoch startete auf dem Zivilflughafen eine Maschine des Münchener Unternehmens "VIP-Flights". Das SONNTAGSJOURNAL war vor Ort. Welches Ziel die Maschine hatte, ist noch unklar. Klar aber ist: Kleinfeld war an Bord. Er brauste mit einem schwarzen Mercedes-Sportcoupé vor das Flughafengebäude und war ruck-zuck in der Luft. Am Abend um zirka 18.30 Uhr setzte die Maschine wieder in Nordholz auf, Kleinfeld brauste davon. Das gleiche Spiel setzte sich am darauf folgenden Tag fort. Die Maschine startete um 9 Uhr mit dem Manager an Bord, um zirka 19 Uhr kehrte das Flugzeug zurück, und Kleinfeld brauste wieder davon. Die Flughafen-Betriebsgesellschaft hüllt den Mantel des Schweigens über die Abläufe.
Michael Krohn, oberster Wirtschaftsförderer des Landkreises, war zeitgleich am Flughafen und durfte dem Manager kurz die Hand schütteln. "Ein Charter-Kunde wie jeder andere auch, wir haben häufiger mal prominente dabei", kommentiert Krohn und will den Vorgang nicht zu hoch hängen. Kleinfeld habe den Zivilflughafen schon häufiger genutzt, heißt es.Der hochkarätige Wirtschaftsmanager aus München wird in der Öffentlichkeit zurzeit genau beäugt. Nachdem er die Sanierung des Siemenskonzerns erfolgreich vorangetrieben hatte, geriet der Rolex-Träger im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre ins Straucheln und trat letztlich zurück. Warum hält sich Kleinfeld zu einer für ihn so sensiblen Übergangszeit ausgerechnet in Cuxhaven auf? Seine Mutter lebt in Bremen. "Und wenn er familiär in der Region unterwegs ist, nutzt er Nordholz für Geschäftsflüge', ist eine Erklärung aus Wirtschaftskreisen. Dafür könnte der Manager aber ebenso gut auch den Flughafen Bremen oder den Flughafen Hamburg nutzen. Auch hier gibt es für ihn Möglichkeiten, unerkannt reisen zu können. Hielt sich Kleinfeld, der bei Siemens zuletzt rund 3,5 Millionen Euro jährlich verdient haben soll, also privat oder geschäftlich in Cuxhaven auf?
Selbst in Insiderkreisen verwundert der Ausflug Kleinfelds an die Nordseeküste, und so wird bereits kräftig spekuliert. Die Aktivitäten in der Region könnten allerdings tatsächlich einen geschäftlichen Hintergrund haben: Eventuell gibt es einen Zusammenhang mit 'Blackstone' und einem im Offshore-Bereich international tätigen russischen Großinvestor. Informiert sich Kleinfeld zurzeit über die Offshore-Industrie?Das Unternehmen 'Bard Engineering GmbH' mit Sitz in Bremen, ist im Zukunftsgeschäft Offshore-Windkraft seit kurzem auch in Cuxhaven tätig. Die Firma hat ehrgeizige Ziele und hinter dem Unternehmen steht ein international tätiger Großinvestor, Arngolt Bekker. Er ist in Russland bekannt als einer der großen 'Energiebarone', die zu Zeiten desfrüheren Präsidenten Boris Jelzin Milliarden verdienten und jetzt von Wladimir Putins Regierung attackiert werden. Laut 'Spiegel' hat sich Bekker vor zwei Jahren von Russland nach Deutschland abgesetzt - mit einem geschätzten Vermögen von 340 Millionen US-Dollar. In Bremen gründete er im Jahr 2003 die Firma 'Bard-Engineering', die zum 'größten Windparkbetreiber auf See' werden will.
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