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Zootierhaltung
Tierschützer fordern: Rettet die Zookritik
(Reporter7.com 02.07.2007) Die Aktionsgemeinschaft PRO FAUNA setzt auf Kooperation mit Tiergärten
In den 1980er Jahren ereigneten sich seltsame Dinge im damaligen Westdeutschland. Ein Zoodirektor in Nordrhein-Westfalen äußerte öffentlich: "Wir können von Glück sagen, dass noch kein tiergärtnerisch kompetenter Tierschützer aufgetreten ist, der uns das Leben schwer machen könnte." In Hessen entschied ein Zoodirektor, aus Gründen des Tierschutzes die Elefantenhaltung zu beenden, weil die dringend benötigten Mittel für eine Modernisierung der Anlage bzw. für einen Neubau nicht bewilligt worden waren. Darauf wurde er mit böser Post von "Tierfreunden" eingedeckt, die meinten, ein Zoo ohne Elefanten sei kein "richtiger", kein "vollwertiger" Zoo.

In beiden Fällen artikulierten sich gestandene Profis systemkritisch in der Absicht, im Interesse der Tiere Verbesserungen herbei zu führen. Belohnt wurden sie dafür nicht.

Obwohl konstruktive Kritik am Zoo - auch und gerade von außen - Not tat, widmete sich der Tierschutz in Deutschland diesem Thema bis vor 30 Jahren praktisch gar nicht. Als er es endlich tat, war bereits die Tierrechtsbewegung aus dem angelsächsischen Raum herübergeschwappt und bediente die Öffentlichkeit mit einfachen Parolen ("Zoo = Tierknast"), wie sie in der Politik längst üblich waren ("Freiheit statt Sozialismus"). Die Einfachheit der Aussagen zog viele junge Menschen an mit der Folge, dass nun auch einige etablierte Gruppierungen sich für Extrempositionen öffneten, um nicht an Attraktivität zu verlieren. Auch dies ein aus der Politik bekanntes Phänomen.

Erstaunlich und erschreckend zugleich ist dabei, dass mit der Ablehnung der Zoos ausgerechnet diejenigen Einrichtungen zur Zielscheibe wurden, die mit ausgebildetem Fachpersonal an der Optimierung von Haltungssystemen arbeiten, um u.a. Tierleben zu zeigen und Wissen zu vermitteln. Dass auf der anderen Seite unzählige Tiere unter Ausschluss der Öffentlichkeit von Laien in deutschen Wohnungen zu Spiel- oder Renommierobjekten degradiert und krank- bis totgeliebt werden, wird nicht thematisiert.

Die Auseinandersetzung zwischen Tierrechtlern und Zoos ist ein Konflikt zwischen Ideologie und Naturwissenschaft und erinnert an den Disput zwischen Kreationisten (die das Alte Testament wörtlich nehmen) und Darwinisten (die wissen, dass Tyrannosaurus rex und Homo heidelbergensis nicht gleichzeitig existiert haben können). Ein Dialog ist nicht möglich, wenn eine Seite alle Ethik und Moral für sich beansprucht und dem Gegenüber die Daseinsberechtigung abspricht.

Taktisch nicht unklug wählen Zoogegner diejenigen Tierhaltungen in Zoos als primäre Angriffsziele aus, die auch aus der Sicht des Tierschutzes und nicht weniger Tiergärtner generell nicht unproblematisch sind: Delfine, Großbären, Menschenaffen, Elefanten. Von den Rechten der Erdmännchen, Siedelweber, Pfeilgiftfrösche und Haiti-Vogelspinnen ist dagegen praktisch nie die Rede. Solche Vorgehensweise kann man populistisch nennen.

Was soll man von Zoogegnern halten, die bei einem im Gehege auf und ab laufenden Tier, das den Pfleger inklusive Futterschüssel wahrgenommen hat, prompt schwere "Ethopathien" (krankhafte Verhaltensstörungen) diagnostizieren? Man stellt fest, dass der Erwerb eines Fremdwörterbuchs eine naturwissenschaftliche Ausbildung und Praxis nicht wirklich zu ersetzen vermag, und man lernt, dass alles als "Beweis" verwendbar ist, wenn das Urteil schon vorher feststeht.

Es ist ja im Grundsatz ehrenwert, sich für die Rechte anderer Lebewesen zu engagieren, doch kein Gesetz verbietet dem Advokaten, sich mit dem eigenen Mandanten zu befassen (wer ist er, was braucht er, was fehlt ihm?). Wo Tierschützer zweifeln und grübeln, wissen Tierrechtler längst Bescheid. Im Zweifelsfall genügt ein Blick in die "Bibel" der deutschen Tierrechtsbewegung, verfasst von dem australischen Philosophie-Professor Peter Singer, der mit "Verteidigt die Tiere" seine bizarren Vorstellungen transportierte. Gern genommen wurde auch der Titel "Ein Reh hat Augen wie ein sechzehnjähriges Mädchen". Dabei handelt es sich nicht um ein Werk des Romantikers Joseph von Eichendorff, sondern um ein Antijagdbuch.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Hatz auf deutsche Delfinarien (die auch Tierschützern schwer im Magen liegen) sei ein Blick auf einen der von der Tierrechtsseite bemühten "Experten" erlaubt. Richard O'Barry, einst Delfintrainer für die volksverdummende Fernsehserie "Flipper", von der Benutzung dieser Tiere damals gut lebend, wird als Zeuge der Anklage präsentiert. Viele Jahre Nutznießer eines Systems, in dem nicht nur Delfine misshandelt, sondern auch enorm viele Haie umgebracht wurden, weil sie laut Drehbuch stets die "Schufte" und "Killer" sein mussten (und genau so behandelt worden sind).

Richard O'Barry ist weder Tierrechtler noch Tierschützer, sondern lediglich ein Opportunist, der im hohen Alter noch einmal gebauchpinselt werden möchte. Sein Buch "Behind The Dolphin Smile" (in Deutschland unter der Mutation "Das Lächeln des Delphins" erschienen), ist eine einzige Selbstbeweihräucherung und erspart dem Leser noch nicht einmal O'Barrys pathetischen Auftritt vor Gericht, als er als Angeklagter erst einmal etwas aus dem Alten Testament vorlesen wollte und durfte.

Die Aktionsgemeinschaft PRO FAUNA bedauert den Niedergang konstruktiver Zookritik, zu der Persönlichkeiten wie Grzimek, Faust, Scherpner, Wünschmann und Puschmann ermunterten.


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Autor
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